Text: by Femotions
Fotos: Antje Wolm / 23. Juli 2019

Lisa - Durch Endometriose in die Selbständigkeit

Dass eine Krankheit wie Endometriose auch zu einer Chance führen kann, beweist Lisa mit ihrer Gründung von Femitale.Label. Sie entwickelt ein geniales Produkt im Bereich Loungewear, welches dieses Jahr auf den Markt kommt. Doch bis es hierzu kommt, musste Lisa viele Jahre leiden.

Der lange Weg zur Diagnose Endometriose 

Ihre chronische, gynäkologische Krankheit bringt Lisa auf Umwegen dazu, ihren Traum zu leben. Ohne die Schmerzen wäre sie jetzt nicht dieselbe Frau, die sie heute ist. Mit Femotions spricht sie offen und selbstbewusst über ihr Leben mit Endometriose (mehr Infos hierzu findet ihr über die EVA) und ihren Weg in die Selbständigkeit.

Bereits im zarten Alter von 14 Jahren verschreibt ihr damaliger Frauenarzt die Antibabypille, um die starken Menstruationsbeschwerden in Schach zu halten. „Das sei ganz normal, da muss jede Frau durch“, so seine Aussage. Mit der Zeit verschlechtert sich ihr gesundheitlicher Zustand zunehmend, es kommen unspezifische Blasenprobleme dazu und sie hat ständig das Gefühl einer Blasenentzündung, doch die Werte bestätigten dies nicht. 

Als Lisa im Teenageralter mit starken Schmerzen ins Krankenhaus eingeliefert wird, meint der Arzt, sie solle sich nicht so anstellen, sie hätte ja nur ihre Tage. Das hemmt sie so sehr, dass sie lange kein Wort mehr über ihre Beschwerden verliert.

Die Schmerzen allerdings hören keineswegs auf. Immer wieder kommen sie im Unterleib, später beim Sex, in der Beckenregion und sogar wenn sie ihre Periode nicht hat. Zudem bilden sich Zysten. Und noch immer können die Frauenärzte nichts feststellen. 

Lisa vertraut jedoch ihrem inneren Gefühl und spürt, dass irgendetwas ganz bestimmt nicht stimmt.

Mit 23 Jahren schleppt sie sich wortwörtlich noch einmal zu ihrem Frauenarzt. Diesmal wird sie aufgrund von Verdacht auf Endometriose sofort ins Krankenhaus eingeliefert. 

Im Zuge der ersten Bauchspiegelung wird festgestellt, dass die Endometriose soweit fortgeschritten ist, dass nicht einmal eine Operation zielführend wäre, da schon sehr viele Organe betroffen sind. 

Eine Hormonpille als einzige Lösung?

Eine spezielle Pille, die Lisa in den künstlichen Wechsel versetzt, soll ihr Leid beenden. Es ist ihr wichtig, nach Außen hin immer die Taffe und Starke zu sein – sie studiert berufsbegleitend Marketing, will die perfekte Freundin für ihren Freund sein. Schwäche zu zeigen ist nicht ihr Ding. 

Die Beschwerden im Unterleib werden mit der Einnahme dieser Pille tatsächlich deutlich besser, doch dafür geht es ihr mental und psychisch jetzt miserabel. Eines Nachts bekommt sie einen totalen Nervenzusammenbruch und kann daraufhin ihr Bett für mehr als zwei Wochen nicht mehr verlassen. Das ist die Zeit der größten inneren Verwandlung.

„Es hat etwas in mir aufgerüttelt, heftig und intensiv, aber es war das Beste was mir passieren hätte können.“ Ihr Marketingstudium legt sie auf Eis und von der Arbeit ist sie für’s erste ärztlich befreit. Die Ärzte raten ihr, das starke Medikament auf keinen Fall abzusetzen. 

Doch sie ist davon überzeugt, dass die künstlichen Hormone für ihr Befinden verantwortlich sind und folgt entgegen der fachlichen Meinung ihrem inneren Wissen. „Zum ersten Mal habe ich etwas getan, das ICH für richtig hielt. Und alleine deswegen ging es mir schon bedeutend besser.“

„Zum ersten Mal habe ich etwas getan, das ICH für richtig hielt.“

Lisa

In der folgenden Zeit, die Lisa zu Hause verbringt, startet sie ihren eigenen Blog. „Ich bin eine Macherin“ und kann nicht Nichts tun. Sie hat es einfach satt, über Tabuthemen wie gynäkologische Erkrankungen, die Periode, Depressionen und psychische Erkrankungen nicht offen und laut sprechen zu können. Extrem schnell baut sie eine Community von Frauen auf, die ebenfalls das Bedürfnis haben, mit genau diesen Themen auf eine ganz natürliche Art und Weise umzugehen.

Ich habe immer aus dem Herzen heraus geschrieben und nie überlegt, ob das jemand toll findet oder nicht. Es hat mir selber so gut getan mit meinem Blog etwas bewegen zu können und einen Platz für meine Themen zu finden,“ sagt Lisa. 

Sie bekommt viel positives Feedback und persönliche Nachrichten von den unterschiedlichsten Frauen und kann ihnen helfen, bestimmte Dinge leichter zu sehen.  

Lisa hat Endometriose zu einem Teil von ihrem Leben gemacht und ihr den nötigen Platz eingeräumt. „Wenn ich Schmerzen habe, dann ist das eine Info meines Körpers, der mir sagt, mit mir passt gerade etwas nicht, bitte akzeptiere es und nimm dich ein bißchen zurück. Es gibt kein vorgeschriebenes Drehbuch deines Lebens. Du hast es aber selbst in der Hand.

Ich bin der Meinung, dass man nicht jeden Tag gut drauf sein muss. Ich sehe das Leben auch nicht jeden Tag positiv, aber ich kann immer was draus machen. Und ich kann aus negativen Sachen lernen. Schnelle Entscheidungen sind nie die Besten. Erst seit dem ich alles zugelassen habe, sind viele tolle Sachen entstanden u.a. auch ihr Label Femitale.“

Durch Endometriose in die Selbständigkeit

Im Januar diesen Jahres kündigt sie ihre Festanstellung und arbeitet fleißig an der Realisierung und Umsetzung ihres Produktes, das im September auf den Markt kommt. Lisa launcht ihr Produkt, finanziert wird es hauptsächlich durch Crowdfunding. Da sie momentan im Gründungsprogramm von der ÖSB unterstützt wird, dürfen keine genauen Informationen über das Produkt nach außen dringen, aber soviel sei gesagt: Lisa hat eine geniale Produktidee, bei der es sich um Loungwear handelt, die auf die Bedürfnisse der Frauen in schmerzhaften Zeiten eingeht. Lisa ist es ein Anliegen, 10% -15 % vom Verkaufserlös in die Endimitroseforschung und Öffentlichkeitsarbeit zu investieren. 

Ich habe Freunde verloren, ich habe Freunde dazugewonnen. Ich sehe das Leben jetzt ganz anders und lebe nach meinem Gefühl. Es lässt mich atmen in der Früh und leichter sein. Natürlich geht man Risiken ein.  Einen Traum zu verwirklichen ist ein Risiko und es ist nicht einfach. Viele meinen, ich bin mutig. Dabei hat es gar nichts mit Mut zu tun. Ich folge meinem Gefühl und meiner Intuition, meinem Traum – und das bin ich mir schuldig. Das zu tun heißt ja nicht, dass nun jeder selbständig werden soll, aber es bedeutet auf sein Herz zu hören und zuzulassen. Das, was man tut, soll man gerne machen.“

Menschen, die ihren Traum zu Ende gedacht haben und er ihnen zu groß erscheint, rät Lisa, ihn „runterzubrechen“. „Man sollte seinen Traum Schritt für Schritt angehen. Wichtig ist hier vor allem der erste Schritt. Der kann ganz klein sein, aber du mußt ihn machen und das am besten innerhalb von 72 Stunden.“

Die Gründung von Femitale war nicht ihr ursprünglicher Traum. Erst durch ihren Blog ist sie ins Tun gekommen und daraus haben sich die nächsten Schritte ergeben. 

Das Studium hat Lisa bis heute nicht beendet. „Was ich brauche, habe ich bekommen. Auch wenn mein Umfeld der Meinung ist, ich MUSS das Studium fertig machen. Wofür? Normalerweise beende ich immer alles. Aber nun mache ich laufend Dinge nicht fertig. Nicht, weil ich keine Kraft mehr dazu habe, sondern weil ich es nicht brauche.“ 

Akzeptanz ist für Lisa eine ganz entscheidende Tugend und ein Erfolgsfaktor. Vor allem, wenn man eine Krankheit hat, die einen in seiner Freiheit sehr einschränkt. 

„Wenn ich irgendwann mal mit 150 Jahren am Sterbebett liege, dann will ich nicht einfach nur sagen können, dass ich gelebt habe, sondern dass ich als die Person gelebt habe, die ich wirklich bin.“

Liebe Lisa, wir wünschen dir einen megamäßigen Erfolg mit Femitale und wissen ganz genau, dass du durchstarten wirst. Wir finden es klasse, wie offen und ungezwungen du zum Leben stehst…

Lisa "To Go"

ICH

LEBE für meinen Herzenswunsch

LIEBE Ehrlichkeit

LACHE gerne über mich selbst.

ESSE abwechslungsreich

SCHÄTZE die bedingslose Hilfe meines Freundes

FREUE MICH über meinen Hund Bobby, wenn ich nach Hause komme

HALTE ABSTAND VON von unauthentischen Menschen

MÖCHTE UNBEDINGT  mein Produkt launchen

BIN 28

HABE DIE VISION von Femitale. Und für mehr Body Positivity. Wieder der Mensch sein zu dürfen der man ist, ohne wenn und aber.

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